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Thesen und Aufgaben des Arbeitskreises

Thesen

Technische Durchsetzbarkeit von Rechten

Das Internet übernimmt nicht nur die Rolle des Kommunikationsmediums, sondern ist zugleich Rundfunk, Fernsehen und Plattform für politische und religiöse Meinungsbildung. Es bietet zudem eine umfassende Möglichkeit des Zugangs zu verschiedenen Werken. Gleichzeitig werden die Techniken des Internets immer weiter entwickelt — angefangen bei P2P-Plattformen über soziale Netzwerke hin zu ausgefeilten Techniken der Paketbehandlung. Diese Techniken führen zu einem Kontrollverlust der betroffenen Gruppen über ihre Rechte, was wiederum dazu führt, dass diese im Netz faktisch nicht mehr durchsetzbar sind und im Kern ausgehöhlt werden. Dazu gehören beispielsweise der Datenschutz oder das Urheberrecht.

Rechtliche Durchsetzbarkeit von Rechten

Aus der vorherigen These folgt, dass eine Evaluierung bestehender Rechtsnormen unter dem Gesichtspunkt der Technikfolgen in Zusammenarbeit der verschiedenen Expertengruppen erfolgen muss.

Strukturen im Internet

Im Internet vollzieht sich derzeit der historische Prozess, der als »Segmentierung« beschrieben werden kann. Jeder schafft seinen eigenen »Content-Turm«. Gleichzeitig wird die Trennung zwischen Infrastruktur- und Inhalteanbieter immer mehr verwischt. Machtverhältnisse verschieben sich.

Privat/öffentlich

Vor dem Hintergrund der Entwicklung des Internets und seiner Nutzung durch Menschen und private und öffentliche Institutionen ist offenkundig, dass eine Datenschutztheorie nicht mehr auf den Kategorien privat/öffentlich, wie sie im 19. Jahrhundert entwickelt wurde, basieren kann. Stattdessen muss eine solche Datenschutztheorie auf der Annahme basieren, dass die betreffenden Informationen bereits breit verfügbar sind, die Menschen, Gruppen und gesellschaftlichen Institutionen dennoch geschützt werden müssen.

Die Kommunikative Wende des Internets

Hypertext und WWW wurden entworfen, um Informationen aufzubereiten und (auch, aber nicht immer: kostenfrei) zugänglich zu machen. Doch nicht der Zugriff auf den externalisierten Wissensspeicher (»Memex«) bestimmt den Charakter des heutigen Internets, sondern vielmehr die Kommunikation der Nutzer untereinander, die ganz und gar nicht »vornehm schweigen«.

Die neue Schriftlichkeit

Der Zwang des Menschen zur Mustererkennung lässt ihn eine Linie vom Buch über die Schallplatte zum 35-mm-Film ziehen, die er ins digitale Zeitalter hin zu Multi-Media-Dateien verlängert. Tatsächlich wird im Internet wieder vermehrt schriftlich kommuniziert, daran ändern auch Youtube und World-of-Warcraft nichts. Suchanfragen, Video- oder Bildbeschreibungen und nicht zuletzt die Nutzer von E-Mails, Blogs und Twitter verwenden in erster Linie Text. Auch Bilddatenbanken wie Facebook laden zur schriftlichen Kommunikation ein.

Aus den oben genannten ergeben sich für den Arbeitskreis konkrete Aufgaben:

  • Technik beeinflusst die Fragen von Offenheit und Kontrollverlust. Die Aufgabe der Fachgruppe liegt darin, dies aufzuzeigen, zu diskutieren und Empfehlungen herauszugeben.
  • Die Fachgruppe soll Akteure, Strukturen, Machtverhältnisse und Mechanismen im Internet aufzeigen.
  • Auflösung der Begriffe Sichtbarkeit/ (geistiges) Eigentum/Verfügbarkeit. Die Fachgruppe soll technische Probleme aufzeigen, die mit diesen Begriffen verbunden sind.
  • Aufzeigen der Emotionen, die mit Informationen einhergehen. Auflösung der Begriffe »Multimedia« und »digital«. Die Fachgruppe soll die Auswirkungen auf rechtliche Situation darstellen.

AK Internet und Gesellschaft

Das Internet ist nicht länger nur eine technische Plattform, sondern entwickelt sich zu einem integralen Bestandteil des Lebens vieler Menschen, denn gesellschaftliche Veränderungen finden maßgeblich im und mit dem Internet statt. (Antrag zur Einsetzung einer Enquete-Kommission im Bundestag, Februar 2010).

Ziel des Arbeitskreises ist es, die technischen Entwicklungen des Internets und verwandter Netze auf ihre gesellschaftlichen, d. h. politischen, sozialen und kulturellen Auswirkungen hin zu untersuchen. Als Ausgangspunkt kann eine kritische Bestandsaufnahme der Ergebnisse verschiedener Diskurse dienen wie sie in vielen wissenschaftlichen Veröffentlichungen, aber auch seitens der Politik von in der D21-Initiative oder der Bundestags-Enquete-Kommission »Internet und digitale Gesellschaft« vorgelegt werden.

In rascher Folge ist aus dem ARPA-Net — einem Forschungsnetz mit militärischem Hintergrund — ein wichtiges kommerzielles und kulturelles Artefakt geworden, welches grenzüberschreitend die alltäglichen Handlungen von Menschen in nahezu allen Bereichen verändert und zunehmend bestimmt. Die Öffnung des Internets für kommerzielle Dienste Mitte der Neunziger Jahre hat dabei seine Einsatzfelder sprunghaft erweitert und eine Basis neuartiger digitaler Medien geschaffen, die auch alle bisherigen Informations- und Kommunikationsmedien tiefgehend verändert.

Mit der Ausweitung der Übertragungstechnik auf funkvernetzte mobile Geräte entsteht nicht nur eine allseits und jederzeit verfügbare Zugangstechnik, sondern es entstehen auch Möglichkeiten vielfältiger Internetnutzung für einen großen Teil der Weltbevölkerung, die bislang keinen Zugang zum Internet über leitungsvernetzte Rechner hatte.

Solche Prozesse, die im Einzelnen genauer zu analysieren sind, haben eine Fülle gesellschaftlicher Veränderungen angestoßen. Viele Folgen dieser umwälzenden technischen Entwicklungen sind originäre Themen des Fachbereiches »Informatik und Gesellschaft«, die typischerweise in Kooperation mit anderen GI-Gliederungen zu bearbeiten wären. Das reicht von

  • Änderungsprozessen in der Arbeitswelt (Wissenschaft, Bildung, Büro und Produktion) über
  • Wandlungen der Medientechnik und des Medieneinsatzes in Kommunikation, Information und Unterhaltung (Internetfernsehen, Internetradio, Digitaler Journalismus, Blogs, YouTube, Flickr, Wikipedia, iTunes usw.),
  • die kommerzielle Nutzung (z.B. internetgestützter Versandhandel, wie Amazon, eBay und viele andere), Netzausbau, Breitbandversorgung, die Rolle global agierender Internetfirmen, Netzneutralität,
  • über eine Fülle rechtlicher und regulativer Aspekte (mit Folgen für das Grundrecht der informationellen Selbstbestimmung, rechtliche und technische Voraussetzungen für Datenschutz und Datensicherheit, Jugendschutz oder etwa des Immaterialgüterrechts)
  • bis zur Veränderung der Parteien und anderer politischer Organisationen (Organisations- und Aktionsformen, Parteineugründungen u.a.)
  • und zu veränderten Umgangsformen im Alltag (Social Web u.a.).

Neben den vom Internet induzierten Veränderungen wird die rapide Weiterentwicklung der Technik selbst thematisch fokussiert. Dazu gehören insbesondere Veränderungen, die den Umgang mit den enorm gewachsenen und wachsenden Informationsbeständen im Netz betreffen.

Webtechniken, die den Zugang zu solchen Informationen erleichtern oder solche, die die Bestände sichten und sichern ebenso wie die Veränderungen der Netzinfrastruktur, Zugangsgeräte sowie die Weiterentwicklung und Definition offener Standards, Normen und freier Software sind notwendigerweise zu untersuchende Themen des AK.